Mindfulness 2 - Marina Abramović

 

Die Ausstellung „The cleaner“ lässt sicher keinen Besucher unberührt nach Hause gehen. Marina Abramović ist intensiv, radikal, stark, sanft und vor allem polarisiert sie. Beim Betrachten ihrer Bilder und Filme empfand ich mitunter einen Schmerz, den sie nicht zu empfinden schien.

 

Jetzt im fortgeschrittenen Alter scheinen bei ihr mehr innere Ruhe und Seelenfrieden eingekehrt zu sein. Marina Abramović legt aus meiner Sicht einen anderen Fokus, die Besinnung auf uns selbst und sie tut es mit der gleichen Intensität, die sie früher so radikal sein ließ. In der Bundeskunsthalle kann man sich Kopfhörer aufsetzen und in absoluter Stille Reiskörner zählen, bis der kleine Berg Reis, den man sich von dem breiten Streifen Reiskörner auf dem langen Tisch genommen hat, halt gezählt ist. Es selbst zu tun, versetzt in einen Zustand der Meditation. Anderen dabei zuzuschauen ist spannend, denn Zählen ist nicht gleich Zählen.

 

Viele Menschen auf der ganzen Welt haben auf YouTube Teile ihrer ihre Performance „The artist is present“ gesehen, bei der sie 2010 ganze 700 Stunden schweigend im MoMA in New York saß. Vielleicht tausende nahmen damals die Gelegenheit wahr, gegenüber der Künstlerin Platz zu nehmen und ihr in die Augen zu schauen. Es entstanden bewegende Bilder, die man in Bonn ansehen kann, Bilder die zeigen, welch unterschiedliche Emotionen diese Performance bei vielen auslösten.

 

Die Ausstellung gibt Gelegenheit genau diese Situation nachzuvollziehen, sich einer Person eigener Wahl gegenüber zu setzen und schweigend in die Augen zu schauen. Kopfhörer blenden auch dabei das Geschehen ringsherum aus, vor einem weißen Hintergrund nimmt man Platz auf einem Stuhl etwa zwei Meter von seinem Gegenüber entfernt und schaut sich in die Augen. Es fällt mir schwer zu beschreiben, was dabei geschieht, aber es geschieht etwas, etwa sehr Besonderes.

 

In einer Welt, die immer schneller, immer komplexer und vielschichtiger wird, in der das Smartphone schon fast zum Körperteil geworden ist, werden wir diese Momente der Ruhe brauchen, wenn wir uns nicht selbst verlieren wollen. Marina Abramović leistet auch mit der Ausstellung in Bonn einen bedeutenden Beitrag.

 

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