Mediation - Erfahrung macht klug

 

Letzte Woche sprach ich zufällig mit einer Bekannten, einer Rechtsanwältin. Wissend, dass sie Mediation bisher ablehnte oder zumindest als Methode zur Konfliktlösung in der Wirtschaft als nicht ganz seriös erachtete, erzählte ich ihr, dass ich künftig unter anderem als Mediatorin arbeiten werde. Sie war überrascht, weil sie weiß, dass ich keine Juristin bin und sie dies für eine notwendige Voraussetzung hielt. Ich klärte sie kurz auf.

 

Dann erzählte sie mir, dass sie neulich mit einem ihrer Mandanten einen Konflikt in einer Mediation gelöst hat. Der Streit zwischen den Unternehmen hatte sich schon über gut sechs Monate hingezogen, der Schriftverkehr zwischen den Parteien füllte bereits einen dicken Ordner und man stand unmittelbar davor vor Gericht zu ziehen. Zu ihrer Überraschung schlug die Gegenseite vor, die Lösung des Konfliktes vorab in einer Mediation zu versuchen. Und noch mehr überraschte sie, dass ihr Mandant spontan bereit war, auf diesen Vorschlag einzugehen. Sie hielt das eigentlich für Zeitverschwendung, folgte aber dem Willen ihres Mandanten. So trafen sich die Parteien jeweils in Begleitung ihrer Anwälte morgens zum Termin beim Mediator.

 

An dieser Stelle fragte sie mich, ob es normal sei, dass ein Mediator sich nicht einmal in den bereits vorliegenden umfangreichen Schriftverkehr einarbeitet. „Ja, das ist normal. Mediation arbeitet in der Zukunft, nicht oder kaum in der Vergangenheit. Welchen Mehrwert hätte es für ihre Mediation gebracht?“ Schweigen.

 

Es war dann wohl ein langer Tag, aber die Gespräche verliefen durch die Unterstützung des Mediators sehr konstruktiv. Am Ende des Tages wurde die Lösung als Vereinbarung aufgesetzt, die beide Parteien auch sofort unterzeichneten. Zufriedenheit auf allen Seiten, der Versuch hat sich gelohnt, denn nun setzen die Parteien ihre Zusammenarbeit auf neuer Grundlage fort. 

 

Meine Bekannte ist von dieser Erfahrung noch immer sehr beeindruckt. Sie hätte es nicht für möglich gehalten, dass man einen Konflikt zwischen zwei Unternehmen in einer Mediation an einem Tag so einvernehmlich und für beide Seiten zufriedenstellend lösen kann. „Wissen Sie, wie viel Zeit, Nerven und Geld man dabei sparen kann?“, fragte sie noch. Ja, als Mediatorin weiß ich das.

 

Es braucht mehr solcher Erfahrungen und mehr Menschen, die aktiv über ihre positiven Erfahrungen mit Mediationen sprechen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Irgendwann wird es auch in Deutschland normal sein, dass man sich zur Lösung Konflikten ganz selbstverständlich der Mediation bedient.