Mediation oder doch keine Mediation

Ende des letzten Jahres freute ich mich über den Auftrag zu einer Mediation für ein Unternehmen der Immobilienbranche. Innerhalb des Aufsichtsrates waren Konflikte bereits heftig eskaliert und der Leidensdruck für alle Beteiligten entsprechend hoch.  Wie so oft war es auch hier schade, dass der Entschluss, hier professionelle Hilfe hinzuzuziehen, sehr spät gereift war. Aber es schien nicht zu spät zu sein.

 

 

Die Vorbereitungen gingen dann sehr schnell. Wir standen sozusagen in den Startlöchern, als plötzlich ein Mitglied erklärte, unter keinen Umständen an einer Mediation teilzunehmen. Es wäre eine nicht akzeptable Verschwendung von Zeit und Geld. Keine Begründung, keine Bereitschaft zu einem Gespräch. Die Mediation scheiterte also, bevor sie eigentlich begonnen hatte.

 

Nun kam es zu einem zweiten Anlauf. Wieder hatte der Aufsichtsrat getagt und die Teilnahme an einer Mediation einstimmig beschlossen. So wie bisher könne es ja nicht weitergehen. Der hörbar erleichterte Vorsitzende meldete sich zur Abstimmung neuer Termine. Die Mediation sollte also stattfinden.

Aber wieder kam es anders. Dem Vorsitzenden und mir flatterte ein sehr umfangreiches Schreiben ins Haus. Besagtes Mitglied nannte Bedingungen und Voraussetzungen, die vor der Mediation zwingend erfüllt sein müssten, sowie die einzig akzeptable Lösung für den Konflikt – seine Lösung. Erst wenn alle Punkte erfüllt sind und der Lösung zugestimmt wird, besteht Bereitschaft zur Teilnahme. – Also doch keine Mediation.

 

Eine Mediation ist ein Verfahren, das von allen Beteiligten neben der freiwilligen und eigenverantwortlichen Teilnahme auch eine Offenheit bezüglich der im Prozess entstehenden Ergebnisse und Lösungen erfordert. Je früher man sich zu einer Mediation entscheidet, desto höher sind die Aussichten auf Erfolg. Wir Mediatoren brauchen von den Beteiligten vor allem: